Zurück zum Kaffee: ein Erlebnis nach über zehn Jahren Kaffeeabstinenz

kafrika - Geschrieben am 27.02.2019

Zurück zum Kaffee, ein Erlebnis nach über zehn Jahren Kaffeeabstinenz, oder wie ich es neu lernte Kaffee zu genießen.

Als ich vor zehn Jahren meinen letzten Kaffee trank, hatte ich eine typisch deutsche Kaffeekarriere hinter mir: Aufgewachsen in einer Zeit, als man als Kind zum Einkaufen geschickt wurde mit dem Auftrag "geh doch mal Brot kaufen und ein Pfund gemahlenen Kaffee". Der Geruch des frischen Brotes und des frisch gemahlenen Kaffees waren in der Nase und man konnte es kaum abwarten, dass man auch selbst zu den Kaffeetrinkern gehören würde.

Irgendwann gehörte ich dazu, wie viele andere auch, die diesen Geruch und den Geschmack des Kaffees in der Nase und im Mund hatten. Kaffee wohlgemerkt, nicht den Geschmack von aufgeschäumter Milch, gepaart mit ein bisschen Kakaopulver um dem Ganzen eine schokoladige Note zu geben.

Naja, wohin sich das Kaffeetrinken im Laufe der letzten Jahrzehnte entwickelt hat wissen wir, es geht schließlich um Geld, Gewinnoptimierung und Massenproduktion. Die berüchtigten 5 Liter Pumpkaffeekannen, fünf Liter für 5 oder zehn Stunden.
Lecker und wohl bekomms!

Und ganz neu im Angebot, die Kaffeekapseln, überteuert und wer weiß was da drin ist!? Aber Hauptsache bequem und es kann mit Milch oder Milchkapseln ergänzt werden. Auf meine Frage warum, war die Antwort immer die selbe: Bequemlichkeit gleich Genuss.

Es geht hier nicht um die Qualität des Produktes, sondern um den Lifestyle. Die Werbung war erfolgreich und die Umwelt dankt es Ihnen mit Müllbergen.

Ich persönlich konnte nach 15 Jahren Kaffeetrinken ganz plötzlich keinen Kaffee mehr vertragen, dachte es wäre ein Herzinfarkt. Kein Schmarrn! Mitten auf der Leopoldstraße in München bekam ich diesen Anfall und dachte "super, das wars!" Das wars aber nicht, sondern nur eine totale Übersäuerung meines Magens.

Das hieß: nie mehr Kaffee für mich. Bis die Idee von kafrika entstand: Hier sah ich meine Hoffnung, wieder Kaffee genießen zu können. Die Reise bzw. unser Projekt begann.

Woher kommt eigentlich der Kaffee? ... aha, aus Afrika. Und die Qualität? ... können wir nur mit Experten herausfinden. Schmeckt nicht jeder Kaffee irgendwie gleich? ... Quatsch! Kaffee ist ein Naturprodukt und kann gar nicht gleich schmecken ... doch es geht mit künstlichen Aromastoffen! Übrigens ein Wachstumsmarkt, denn die Leute wollen doch keine Natur, sondern es muss nur danach schmecken.

Ich will keinen Kaffee trinken, oder? Doch! Vor allem, wenn dieser Kaffee nur aus Kaffeebohnen besteht, richtig gut schmeckt und keine künstlichen Zusätze hat; wenn er so geröstet wird, dass auch ein Magenempfindlicher, diesen ohne Reue trinken kann, dann bin ich dabei.

Mein erster Kaffee, war ein besonderes Erlebnis! Meine Frau hat ihn gemacht, kafrikas Kaffee Muramaba aus Ruanda - mit Zeit und viel Liebe per Hand im Filter aufgebrüht. Ruanda ist eigentlich ein nicht so bekanntes Kaffeeland.

Zuerst zögerlich, doch dann immer selbstbewusster trank ich meine erste Tasse Kaffee - nach mehr als zehn Jahren Kaffeeabstinenz. In meiner Erinnerung war mit Kaffee immer ein pelziges unangenehmes Gefühl auf der Zunge verbunden, zusätzlich mit einem bitteren Beigeschmack und oft ein Grummeln im Magen als Begleiterscheinung. Aber jetzt ... Nichts.
Nur Geschmack, nur Genuss ... was war das? Dunkle Schokolade? Ganz leicht, ein Hauch. Kann so ein Kaffee schmecken? Er kann.

Ob sie es glauben oder nicht, sogar der Eiskaffee schmeckt anders.

Ich bin wieder Kaffeetrinker und ich erwarte nicht weniger als den besonderen Geruch, den lebendigen Geschmack auch ohne künstliche Aromastoffe, ohne Milch und ohne Kakaopulver.

Jeder Kaffee aus Afrika schmeckt anders, auch ich muss es lernen, mich an dieses Geschmackserlebnis zu gewöhnen. Aber ich kann mir vorstellen, dass ich mir nach zehn Jahren Kaffeeabstinenz etwas leichter tue als viele andere, die an durchschnittlichen Kaffee gewöhnt sind. Dennoch: Ich bin mir sicher, man kann es lernen und dann wird jede Tasse zum wahren Genuss.

Übrigens habe ich beim Schreiben Lust auf einen Kaffee bekommen, einen richtig guten, niemals mehr einen anderen. Wenn guter Kaffee nicht zu haben ist, dann verzichte ich lieber darauf.

Wohl bekomms.